Wissenschaft und Spiritualität im Wandel

Die größten Entdeckungen in der Naturwissenschaft, die das Weltbild der Menschheit fundamental veränderten, haben wir - mit einigen Ausnahmen - den spirituellen Forschern zu verdanken. Beispielsweise war der große Visionär und Erfinder Nikola Tesla (1856 – 1943) dafür bekannt, dass er sich intensiv mit Mystik, Buddhismus und Schamanismus auseinandersetzte und wohl möglich dadurch inspirieren ließ; ebenso Erwin Schrödinger (1887 – 1961), Physiker und Begründer der Wellenmechanik. Die Mitbegründer der Quantenphysik, zu denen auch Schrödinger zählt, besaßen Wolfgang Pauli (1900 – 1958) und Werner Heisenberg (1901 – 1976) eine besondere Vorliebe für antike Philosophie und Metaphysik. Beim Gründervater der Quantenphysik Max Planck (1858 – 1947) war Religion die Quelle der Inspiration, die er als ergänzende, gleichwertige Komponente zu Wissenschaft sah. Sogar Albert Einstein (1879 –1955), der mit Max Planck die Quantenphysik ins Rollen brachte, glaubte an eine kosmische Religiosität. Er bezeichnete sie als die „stärkste und edelste Triebfeder“ der wissenschaftlichen Forschung. Auch er war sozusagen ein spiritueller Wissenschaftler.

 

Dabei habe ich ganz bewusst die Bezeichnung „spirituell“ vorgezogen, da erfahrungsgemäß die Begriffe „Religion“ oder „religiös“ gekoppelt mit „Wissenschaft“ oft zu kontraproduktiven Diskussionen führen und nicht selten zu einem emotionalen Zusammenbruch der Diskutanten. Bereits in meinem letzten Werk mit dem Titel „Auch Wissenschaft ist Mystik und Religion“ wagte ich den Versuch, den voreingenommenen „Aufgeklärten“ die Rolle der religiös angehauchter Forscher und deren konstruktives Mitwirken in der Geschichte der Naturwissenschaft aufzuzeigen; und dass weder Wissenschaft noch Religion alleine alle Fragen des Lebens beantworten können.

 

Das Universum ist wie die Naturwissenschaft im ständigen Wandel. Wie es auch das dritte hermetische Prinzip besagt: „Alles bewegt sich; alles schwingt; nichts ruht.“ Dieses uralte Wissen aus dem Kybalion hat es geschafft, bis in die Quantenphysik einzudringen. Der französische Physiker Louis de Broglie (1892 –1987) bewies mit seiner kühnen Idee, dass nicht nur das Licht, sondern auch atomare Teilchen wie Elektronen die Form von schwingenden, vibrierenden Wellen annehmen können. Wie beim Licht spielte auch hier der Dualismus der Wissenschaft einen bösen Streich. Ich möchte hier jedoch nicht vertiefend in die Quantentheorie eingehen. Dafür empfehle ich Ihnen mein Werk mit dem Titel „Die Geschichte der Quantenphysik“, wo Sie sich kurz und bündig ein Bild über die paradoxen Eigenschaften der Quantentheorie bzw. Quantenphysik ausmalen können. 

 


Der Punkt aber ist, worauf ich eigentlich hinaus will, dass die Naturwissenschaft nicht immer gleich Naturwissenschaft ist und auch so bleibt, sondern sie sich wie die Natur im ständigen Wandel befindet. Anfangs glaubte die Menschheit die Erde wäre eine flache Scheibe. Indische Mythologien beschrieben sie ähnlich, dass sie von vier Elefanten getragen wird und diese wiederum stützten sich auf dem Rücken einer riesigen, durch den Kosmos schwimmenden Wasserschildkröte. Lediglich war die Erde rund wie eine Murmel, entdeckte man später. Sie stand außerdem nicht im Zentrum des Universums und diese Tatsache gefährdete den Machterhalt der Kirche. Sie wiedergab die religiösen Texte wortwörtlich, und alle Forscher dieser Zeit mussten ihr bedingungslos unterwerfen, indem sie Forschung und Wissenschaft nur im Einklang mit Religion betreiben durften.

 

Sowie alle anderen Planeten rotierte diese blaue Murmel nicht nur um die eigene Achse, zudem besaß sie eine eigene, ellipsenförmige Umlaufbahn um die Sonne, die sich im Zentrum befand. Die Kirche war über die Neuigkeiten nicht erfreut. Ihre große Angst vor Kontrollverlust machte sich in Form von Unterdrückung und Gewalt bemerkbar. Doch nichts schien die wissbegierigen Naturforscher aufhalten zu können. Sie entdeckten, dass das Sonnensystem nur ein winziges Bestandteil eines viel größeren Systems ist; und zwar von der sogenannten Milchstraße, unsere Galaxie. Erst im 20. Jahrhundert (ab 1925) entdeckten Wissenschaftler weitere, unserer Milchstraße ähnelnde Galaxien mit eigenen Sternensystemen und Planeten. Milliarden Galaxien mit Milliarden Sonnen und Planeten behausten also das große Universum. Das Bild der Astronomie änderte sich von Grund auf. Es zeigte auf, wie unbedeutend unser Dasein eigentlich ist. Aber gleichzeitig erstaunte dieses Erkenntnis die Menschheit umso mehr, warum es (nur) uns gibt. Die fundamentalen Fragen nach unserem Ursprung erweckte wieder die Emotionen und der Wissenschaft spornte es noch mehr an, sich in das tiefe, dunkle Universum zu begeben, wo die Milliarden Himmelskörper,  von der Erde aus betrachtet, wie winzige Sandkörner im schwachen Vollmond funkelten.

 

Im Jahre 1931 postulierte der belgische Theologe, Priester und Astrophysiker Georges Lemaître (1894 – 1966), dass das Universum einmal in einem Uratom zusammengepresst war, ehe es explodierte. Einige Journalisten machten sich lustig über ihn und bezeichneten seine Idee boshaft als „Big Bang“ (daher der Name). Selbst Einstein gehörte anfangs zu den Kritikern, weil Lemaîtres Urknalltheorie zu sehr an der christlichen Schöpfungstheorie anlehnte. Übrigens bewies der belgische Priester mit der Verwendung von Einsteins Relativitätstheorie, dass das Universum ständig expandiert. Bis dahin ging die wissenschaftliche Gemeinschaft irrtümlich von einem statischen Universum aus. Einstein hatte deshalb eine sogenannte kosmologische Konstante in seine Formel eingebaut, obwohl sie nicht nötig und bereits aus seiner Formel die Expansion des Universums ersichtlich war, die er aber einfach nicht ignorierte. Später bezeichnete er diesen Fehler als die größte Eselei seines Lebens.

 

Heute existieren Theorien wie beispielsweise die Multiversums- und Stringtheorie, die zwar eine mathematische Stütze aufweisen, aber wegen technischer Begrenztheit nicht die nötigen experimentellen Beweise liefern können. Dennoch haben sie einen tiefen Eindruck bei der Allgemeinheit hinterlassen. Vor allem Menschen, die ihre Fantasie durch übliche Science-Fiction Filme anregen lassen, werden ohne speziellem Wissen und unabhängig ihres Bildungsniveaus von Parallelwelten, Zeitreisen usw. nicht abgeneigt sein oder sie gar für möglich halten - im Gegensatz zu biblischen Erzählungen. Ähnlich verhält es sich bei dem Thema über Prä-Astronautik und Panspermie. Das erstere spricht von außerirdischen Zivilisationen, die ihr Wissen und ihre Kultur auf die Menschen übertragen haben sollen, wo er der Beweis in den religiösen Schriften und in den antiken Bauten stecken soll. Die Hypothese der Panspermie, auch als „All-Saat“ verstanden, besagt hingegen, dass sich einfache Lebensformen wie Mikroorganismen durch das Universum bewegen und der Ursprung bzw. der Ur-Code, wie das DNA, des Lebens sind. Dann gibt es noch die skurrile These eines holografischen Universums. Klingt verrückt, nicht wahr?

 

Folgendes habe ich noch aus dem Geschichtsunterricht von meiner Schulzeit in Erinnerung: Als die Ureinwohner Lateinamerikas, die nie zuvor ein Pferd gesehen hatten, von spanischen Kolonisten überfallen wurden, beschrieben sie die Ritter auf Pferden als Wesen aus halb Mensch und halb Tier. „Manche von ihnen konnten sich teilen.“, hielten einige Stammesmitglieder fest, als sie die blutrünstigen Ritter im Kampf von ihren Pferden stürzen sahen. Immer wenn eine niederentwickelte Kultur einer höher entwickelten Kultur begegnet, versucht sie die Begegnung mit ihren vorhandenen Mitteln in irgendeiner Form – mündlich, schriftlich oder durch handwerkliche Erzeugnisse – festzuhalten.

 

Der Cargo-Kult ist das Beispiel schlechthin, welches das zufällige Zusammentreffen von verschiedenen Kulturen veranschaulicht, die sich im technologischen Stand deutlich unterscheiden. Als im zweiten Weltkrieg US-Truppen auf Inseln im Norden Australiens stationiert wurden, haben sie gar nicht ahnen können, welchen Einfluss ihr kurzzeitiger Aufenthalt für die Ureinwohner später haben sollte. Die Inselbewohner, die bis dahin isoliert von der Außenwelt lebten, beobachteten verblüfft wie Flugzeuge über ihrer Insel Frachtgüter mit Kleidung und Nahrung (für die Besatzung) abwarfen. Nie jemals zuvor in ihrem Leben waren sie einem fliegenden Objekt begegnet und glaubten daher, dass die fliegenden, brummenden Maschinen mit riesigen, silbernen Flügeln, die im Sonnenlicht himmlisch glänzten, Götter sind. Als aber die Besatzung sich wieder zurückzog und die Insel endgültig verließ, begannen die Inselbewohner die Truppe, die sie für ihre Ahnen und Götter hielten, nachzuahmen. Mit selbsterrichteten, primitiven Landebahnen, Flugzeugen und Funkgeräten aus Holz und Bambus starteten sie fast täglich ihr Ritual, um die Götter, die über ihre Insel schon einmal flogen und sie mit Nahrung und Kleidung sorgten, herbeizurufen – aber niemand kam. Auf solche Erfahrungen unter anderem berufen sich Prä-Astronautiker und meinen, dass auch Kulturen aus viel früheren Zeit bereits Begegnungen mit höher entwickelten Spezies hatten, die sie Aliens, also Außerirdische, nennen. So sollen antike Bauten, religiöse Schriften, antike Zeichnungen und Symbole den Hinweis dazu liefern.

 

Diese Denkart öffnet einen interessanten Neuzugang, insbesondere zu Geschichte, Archäologie und Religion, und regte in Folge Neugierige an, die alten Schriften und Symbole zu hinterfragen und ihre Sinnhaftigkeit neu zu überdenken. Es ist vielleicht eine heikle Angelegenheit, vor allem religiöse Schriften (neu) zu interpretieren. Nicht weil sie nur in (verwirrenden) Metaphern und Gleichnissen sprechen, vielfältig interpretierbar sind und von der modernen Wissenschaft ausgegrenzt werden. Sobald Prä-Astronautiker ihre Alien-Theorie damit in Verbindung bringen, halten religiöse und wissenschaftliche Kreise - nicht überraschend - ihre Augen und Ohren fest zu oder äußern sich demgegenüber abfällig. Man kann natürlich von Prä-Astronautik halten, was man will, lediglich bin ich der Meinung, dass es an der Zeit ist, die alten Schriften intensiver zu hinterfragen und zeitgemäßer zu gestalten. Sowohl Wissenschaft und als auch Religion sollte sich hier um eine gemeinsame Lösung bemühen - auch wenn dies zu utopisch klingen mag.

 

Fakt ist aber, dass immer mehr Stimmen darauf plädieren, die Wissenschaft nicht nur auf Experimente und mathematische Formeln zu reduzieren, sondern auch metaphysische Elemente wie Seele und Geist mit dem Körper der Wissenschaft zu vereinen. Es gibt bereits zahlreiche Stimmen, die nur hinter verschlossenen trauen, sich darüber zu äußern. Die Angst von der wissenschaftlichen Community ausgeschlossen und ins Lächerliche gezogen zu werden, ist eben groß. Dabei hatten wir in der Vergangenheit eine ähnlichere Erfahrung mit der Kirche. Nur scheint es so, als ob die Menschen aus der Geschichte nichts lernen (wollen). Solange die fundamentalen, rätselhaften Fragen über unserem Ursprung und darüber, was nach dem Tod passiert, unbeantwortet bleiben, gibt es keinen anderen Ausweg, als von solchen Theorien begleitet zu werden. Und genau aus diesem Grund wird die Wissenschaft im ständigen Wandel sein, bis unser tiefinneres Verlangen nach Antworten besänftigt und alle Wunden geheilt sind. Was danach passieren könnte, kann ich nur schwer vorhersagen; außer, dass das Leben ohne Rätsel und ohne Fragen sehr öde sein müsste.